Seit Ende Mai 2010 ermöglicht die Republik Portugal die amtliche Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare. Der portugiesische Justizminister ergänzte hierzu Mitte Juli, dass selbst ausländische Paare, in deren Herkunftsländern eine gleichgeschlechtliche Heirat nicht legal ist, in Portugal eine Ehe schließen können.
Erich Honecker hätte am liebsten niemanden rein gelassen. Der gebürtige Saarländer war weiß Gott kein Jeck. Aber die DDR brauchte Devisen. Deshalb gab es das 24-Stunden-Visum ganz ohne Tusch. Von West- nach Ostberlin und gleichen Tags retour. Mitternacht war Zapfenstreich. Wer da nicht wieder drüben war, kriegte Ärger. Ganz anders der moderne Tagestourismus im Kreuzfahrtgeschäft. Da reibt sich das madeirensische Prunk-Komitee im neuen Pomp-Port von Funchal vor Freude die Hände, wenn die Riesenpötte im Hafen anlegen. Tausende verlassen die Riesen am Morgen, thronen als Tollitäten auf dem „Zoch“, der um die Insel geht, und sitzen abends um sieben Uhr brav wieder in den Bord-Restaurants, während die Kähne mit dreimal langem töht hinaus aufs weite Meer treiben.
Die Preise steigen. Das bedeutet: Bloß weg vom Erdöl. Mit Wasser, Wind und Sonne ist Madeira gesegnet. Daraus lässt sich gut Strom gewinnen. Derzeit bietet die Insel einer Firma extrem günstige Konditionen für die Installation von 28Tausend Photovoltaik-Paneelen. Gleichzeitig wird die nächste Runde eingeläutet: Geothermie ist die Basis für die Gewinnung von Strom aus der Hitze im Inneren der Erde.
Das war ein Schock im vergangenen Jahr. Silvia J. aus Hof sprang voller Begeisterung in die Fluten des Atlantik. Die Sonne strahlte, der Himmel war blau, doch o weh! Die Berührung mit einer Qualle verursachte bei der passionierten Schwimmerin einen brennenden Schmerz, der bis in die Nacht anhielt. Die verbrannte Haut am Bein der Psychotherapeutin musste am kommenden Tag gar in der Notaufnahme behandelt werden.
Ballack fehlt – ohne Frage. Der Bundestrainer beschwört die „Bündelung der Kräfte“. Doch reicht das hin?
Irgendwie wirkt Joachim Löw nach dem Verlust des Kapitäns angeschlagen. Und das schon vor Anpfiff der WM.
Als das Taxi mit den neuen Gästen vorfuhr, wartete schon ein Vierbeiner vor dem Eingang des kleinen Hotels. „Meine Katze!“ rief die zehnjährige Lisa überschwänglich. Wenig später waren die beiden Freunde. Doch nach genau einer Woche kam die Kleine morgens nicht mehr raus zum Spielen. 39Komma5 maß das Fieberthermometer. Lisas Kopf glühte. Dem Mädchen war kalt, obwohl sie schwitzte. Ihre Katze verzog sich in eine Ecke und maunzte.
Zukunftsmusik ist eine zusätzliche Stromgewinnung aus der Wellenbewegung des Meeres und der Erdwärme. Schon jetzt nutzt Madeira Sonne, Wind und Regen zur Energieproduktion. Die Insel verringert bis zum Ende des Jahrzehnts ihren CO2 – Ausstoß um mehr als zwei Millionen Tonnen und spart 225 Millionen Euro ein.
Madeiras Südküste ist dicht besiedelt, während im Norden weniger als zehn Prozent der Inselbewohner leben. Die Stärke der Nordküste ist ihre natürliche Belassenheit, ihre Schwäche der viele Regen, vor dem die Menschen im sonnigen Teil Madeiras, jenseits der Berge, Zuflucht suchen. Ab 600 Meter Höhe steht die Bergwelt Madeiras unter Naturschutz. Da gibt es kaum noch Behausungen. So konzentriert sich alles auf die Südküste, an der sich auch die Hauptstadt der Insel befindet.
Der Oberbürgermeister der Hauptstadt Madeiras wirkt erschöpft. „Wir alle haben die Ärmel hochgekrempelt und tüchtig rein gehauen“, sagt Miguel Albuquerque. „Aber ausruhen ist jetzt nicht. Vor allem darf der Wiederaufbau der Stadt nicht alte Baufehler wiederholen.“
Funchal sieht zwei Wochen nach dem Unwetter fast überall aus, als wäre gar nichts passiert. Nur in der Nähe der drei großen Flüsse hindern Polizisten am Weitergehen.
Um Mitternacht öffnete sich der Himmel. Wolkenbruchartig prasselte Regen auf das Eiland nieder. Bis 11 Uhr schüttete es in einem fort. 132 Liter pro Quadratmeter an einem einzigen Tag; soviel wie sonst in einem ganzen Wintermonat. Samstag, der 20. Februar 2010, war ein Unglückstag für Madeira. Doch schon am Nachmittag begann überall das große Reinemachen.
Südwind, 23 Grad. An der gesamten Südküste Madeiras schüttet es wie aus Eimern. Das Inselvölkchen holt die wärmste Kleidung aus dem Schrank. Während Touristen in T-Shirts und kurzer Hose durch den warmen Regen marschieren, laufen Madeirenser in gefütterten Blousons, Rollkragenpullover, Schal und Wollmütze durch die Gegend. Bei Regenwetter schaltet die Wahrnehmung der Einheimischen auf kalt.
Douglas ist europaweit auf dem Vormarsch. Wen wundert es, dass die Hagener Firma auch Madeira längst eroberte? Spar landete kürzlich in Funchal (Santo Antonio) an. In Prazeres ist ebenfalls eine Filiale vorgesehen. Die ursprünglich holländische, inzwischen aber europaweit verwirklichte Idee einer Genossenschaft von Groß- und Einzelhändlern hat sich in der Algarve prächtig bewährt, wo Touristen in kleinen Spar-Geschäften ein Gefühl von „zu Hause Einkaufen“ erleben. Nun ist die Spar-Welle nach Madeira übergeschwappt. Die Österreicher und Schweizer wird es freuen, die Deutschen kennen Spar nur aus der Vergangenheit. Denn 2007 wurden die Läden größtenteils von Edeka übernommen, das in Deutschland einen ähnlichen Hintergrund hat. Ebenfalls mit niederländischen Wurzeln, aber in deutscher Urheberschaft, kommt C&A daher. Der „Klamotten-August“, wie C&A früher im Volksmund hieß, eröffnete jüngst im Forum von Funchal seinen ersten Laden auf Madeira.
Der Kreisverkehr hat es in sich. Es müssen da verschiedene Geschwindigkeiten und Fahrtrichtungen miteinander abgeglichen werden. Im Kontrast zur fremdgesteuerten Ampelkreuzung lebt der Kreisverkehr von seiner inneren Dynamik. Nun will die portugiesische Straßenverkehrsordnung das Fahrverhalten im Kreisverkehr weiter dynamisieren. Aktualisierte Vorschriften bringen ein gerüttelt Maß an Chaos in die kommenden Runden.
Viele Touristen genießen, dass Madeira im Vergleich zu anderen Ferienzielen relativ sauber dasteht. Am Wochenende des 18. und 19. September setzten sich mehr als hundert Personen dafür ein, dass Funchal weiterhin sauber bleibt.
Seit drei Jahren verkehrt in Funchal die sogenannte Linha-Eco, die Öko-Linie. Das sind orangegelbe Busse, die ohne Lärm und Gestank die Fahrgäste zu ihrem Ziel bringen. Seit September 2009 ist die Benutzung der Linie gratis.
Gewiss, der Markt hatte seine große Zeit. Und heute noch ist er einen Besuch wert, mit seinen prächtigen Farben, den bizarren Gerüchen und exotischen Früchten, die auf der Zunge prickeln. Immer öfter jedoch äußern Urlauber ihre Enttäuschung darüber, dass der Markt an Lebendigkeit verliert. „Wir kamen so gegen elf Uhr auf dem Fischmarkt an. Da war leider nicht mehr viel los“, klagt die Familie Chalupa aus Prag. „Nur noch auf einem Drittel der Tische wurden Fische angeboten. Die meisten Händler schrubbten bereits ihren Verkaufsplatz sauber.“ In der Nachbarhalle sind regionale Produzenten sowieso nur freitags und samstags vertreten. Von den professionellen Händlern im Obergeschoss haben sich einige darauf spezialisiert, Urlaubern exotisches Obst überteuert anzudrehen. Die meisten der professionellen Händler verkaufen Obst und Gemüse zu redlichen Preisen. Aber die Nachfrage läßt deutlich nach.
Es gibt den berühmten Madeira-Wein. Der ist gehaltvoll und süffig. Und es gibt den berüchtigten madeirensischen Hauswein. Der schmeckt wie Essig mit Alkohol. Von seinen Getreuen wird dieser in Wassergläsern ausgeschenkt rote Rebensaft auf Ex gestürzt. Möglicherweise der einzige Weg, ihn hinunter zu bekommen. Der „Vinho Seco“ (trockener Wein, so der offizielle Name) reizt die Geschmacksnerven, darüber hinaus greift er das zentrale Nervensystem des Zechers nachhaltig an. Zu diesem Ergebnis gelangt, wer weniger tief ins Weinglas, stattdessen nüchtern ins Reagenzglas schaut. Toxische Stoffe wurden von Lebensmittelchemikern nachgewiesen. Dies ist der Grund, warum Ende Juni 2009 im regierungsamtlichen Bulletin der Autonomen Region Madeira der Entwurf einer Gesundheitsverordnung zu lesen war, die vorsieht, Produktion und Ausschank des madeirensischen Hausweins effektiv zu kontrollieren. Seitdem rumort es auf der Insel.
Im Jahre 2009 regnet es plötzlich wieder. Urlauber, die es kalt erwischt, machen lange Gesichter. Entspannte Mienen hingegen bei den Verantwortlichen der Wasserwirtschaft. Sie saßen seit geraumer Zeit mit einer Po-Hälfte auf dem Trockenen. Um fünfzig Prozent war nämlich der Wasservorrat dezimiert. Der Grund: Fehlender Niederschlag in den Jahren zuvor. Mit den aktuellen kräftigen Schauern hat sich die Lage ein wenig entspannt. Aber nur vorübergehend. Eine langanhaltende Trockenheit kommt auf Madeira zu. So sicher wie der nächste Winter. Nach eigenem Bekunden sind die Verantwortungsträger gerüstet.
Parallel zur Tagung der Internationalen Walschutz-Kommission (IWC) in Madeiras Hauptstadt wurde im ländlichen Prazeres eine kleine Ausstellung eröffnet. An den Wänden im Konferenzraum des für sein Umwelt-Engagement bekannten Hotels Jardim Atlantico hängen seit Mitte Juni zwanzig großformatige gerahmte Fotografien von Walen, mit Erläuterungen versehen. Initiatorin Claudia Gomes: „Es geht bei der Konferenz der IWC um den Schutz der großen Meeressäuger. Die kleinen Wale, wie wir sie vor der Küste Madeiras gesehen und fotografiert haben, sind in keiner Weise geschützt.“
Europa ist bei den Wahlen am 7. Juni deutlich nach rechts gerutscht. Besonders die Erfolge rechtspopulistischer Kräfte in den Niederlanden und Österreich sorgten für Furore. Die Wiederwahl des Konservativen José Manuel Durão Barroso zum Präsidenten der Europäischen Kommission gilt angesichts der klaren Mehrheit des rechts-bürgerlichen Lagers als sicher. Barrosos Herkunftsland Portugal verzeichnete bei der Europawahl zwar keinen rechtsextremen Überraschungscoup. Allerdings macht Barrosos Partei an ihren Rändern den portugiesischen Ex-Diktator wieder salonfähig und knüpft in Geist und Worten an den alten Faschismus an.
„Hier gibt es keine Frauen mehr zum Heiraten“, klagt Nuno Ferreira, 27, aus Arco de São Jorge an der Nordküste. Für seinen 42 Jahre alten Onkel João ist der Zug längst abgefahren. „Mit Landwirtschaft und Schweinemast komme ich auf keinen grünen Zweig. Wie soll ich da einer Frau was bieten? Außerdem sind die Mädels vom Land sowieso hinter den Schnöseln aus der Stadt her.“
Gerade einmal zwei Geburten verzeichnete das 500-Seelen-Dorf in 2008. Der Einwohnerschwund in den vergangenen zehn Jahren liegt über zwanzig Prozent. Für Ribeira da Janela – das ist ein 200-Seelen-Flecken im Nordwesten Madeiras – erhöhte das zuständige Rathaus die Geburtsprämie von 100 auf 500 Euro. Vergeblich. Das letzte Baby kam vor drei Jahren zur Welt. Auf den Dörfern Madeiras ist „tote Hose“. Auch im übertragenen Sinn. So sieht es ein Großteil der Landbevölkerung und zieht weg. Nur die Alten bleiben. Diejenigen mittleren Alters, die den Absprung verpassen, greifen nicht selten zur Flasche. Und von den Landjugendlichen sehnen sich einige danach, von Drogendealern mit chemischen Aufhellern aus der vermeintlichen Trostlosigkeit herausgeholt zu werden.
Am Dienstag, den 7. April 2009, stürzte eine 65jährige Deutsche während einer Wandertour auf der Nordseite Madeiras zweihundert Meter tief in eine Schlucht hinab. Die Frau wurde unter schwierigen Umständen geborgen, erlag aber später ihren Verletzungen. Ein Schild hatte vor dem betreffenden Streckenabschnitt gewarnt. „Gefährlich. Nicht Durch Gehen“ stand auch auf Deutsch zu lesen.
AKÍ hat vor wenigen Wochen eröffnet. MAXMAT existiert seit Jahren. Beide Baumärkte liegen beieinander, innerhalb bzw. ganz in der Nähe des Madeira Shopping Centers an Funchals Peripherie.
Am 30. März ist Count Down. Dann schießt die französische Firma Eutelsat ihren 25. Satelliten auf Kurs. In einer Höhe von 36 Tausend Kilometern wird das Flugobjekt schließlich über Madeira stehen. Parallel dazu bewegt sich eine französische Elitetruppe auf die Freihandelszone des Eilandes zu. Darin soll ein Camp entstehen, aus dem Spezialtechniker das künstliche Himmelsgestirn lenken und einrichten. Obwohl der französische Staatspräsident immer wieder Front gegen europäische Off-Shore-Enklaven lanciert, schlüpfen die Satellitenbetreiber aus den Land von Käse und Wein wohlgemut bei den Madeirensern unter.
Der kleine Trödelmarkt auf dem Gelände des Waisenhauses “Lar da Paz” bei Santa Cruz/Agua da Pena, öffnet jeden Monat einmal seine Pforten, um dem Schnäppchenjägern auf Madeira Tribut zu zollen. Seit einigen Jahren veranstaltet das Waisenhaus am letzten Sonntag im Monat ab 12 Uhr unter dem wachsamen Auge des Leiters Senhor Spinola eine „Feira de Amizade“ (Der freundschaftliche Markt).
Von Mitte Juni bis zum September verbindet eine spanische Fähre die Atlantikinsel Madeira mit dem portugiesischen Festland im Nordosten sowie den Inseln Gran Canaria und Teneriffa im Süden.
Der Europäische Gerichtshof entschied im Jahre 2005: EU-Behörden müssen rechtmäßig in Mitgliedsländern ausgestellte Führerscheine anerkennen. Diese klare Richtlinie wird von EU-Mitgliedern durch behördliche Detailregelungen oder filigrane Rechtsinterpretationen gern „nachgebessert“. Zum Beispiel in Deutschland und in Portugal.
Während der vergangenen achtzehn Monaten gaben inselweit 384 Ladeninhaber, Händler und Dienstleister auf. Ein Großteil davon in Madeiras Hauptstadt. Dort stehen nach Angaben des Handelsverbandes fünfzig weitere Läden vor dem Aus.
Ökos sind sie wahrhaft nicht. Aber der Energiemarkt lässt ihnen keine andere Wahl. Madeiras Entscheidungsträger landen mit Volldampf im Lager der alternativen Energie.
Schon vor dem ersten Spatenstich begann das Malheur. Das Laborschiff, das Bodenproben nahm, lief auf Grund. Die unberechenbaren Strömungen in der Bucht von Lugar de Baixo verhinderten die Rettung des Schiffs. Später, als der Yachthafen fertig gestellt und seiner Bestimmung übergeben war, brachen hohe Wellen die Schutzmauer des Hafenbeckens. Nach der Ausbesserung und Verstärkung der Mauer riss eine weitere Breitseite sie wieder ein. Dann bombardierten herabstürzende Felsbrocken das Parkhaus und den Platz davor.
Der Yachthafen von Lugar de Baixo ist vier Jahre alt und war ganze fünf Monate in Betrieb. Es scheint, als habe Madeiras Regierung 32 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Mit der kürzlich lancierten Ankündigung einer Übernahme des Geländes durch die größte Hotelgruppe Portugals aber stricken die für den Flop Verantwortlichen weiter an einer Erfolgsstory.
Auf Levadawanderungen begegnet man ihnen gelegentlich. Mit einer Sichel über der Schulter und oft in Begleitung eines schnüffelnden Hundes gehen die Hüter der Wasserkanäle ihre Strecke ab. Ihr freundliches Nicken ist einer der Mosaiksteine in der Erinnerung an die Levadawanderungen, genau wie die meckernde Ziege am Wegesrand und wie leider auch der hässliche Haushaltsmüll am Abhang. Doch den Levadeiros wird man in Zukunft seltener begegnen. Denn sie werden gegenwärtig auf Motorräder gesetzt. Viele von ihnen düsen nur noch in ihrem Distrikt umher.
Im Winterhalbjahr 2008/2009 teilen die Condor und Air Berlin den deutschen Charter – Himmel zwischen Madeira und Deutschland unter einander auf. Tuifly paßt und fliegt im kommenden Winter Madeira nicht mehr an. Doch die hohen Energiepreise machen sich auch beim Urlaubsflug bemerkbar: je nach Reisedatum bis zu 400 Euro und mehr verlangen die Monopolisten für den Hin- und Rückflug, flankiert von der portugiesischen Liniengesellschaft TAP, die mit 450 Euro mithält. Der Billigflieger Easy Jet fliegt unkonventionell und unterbietet die Preise der Etablierten unverschämt einfach. Eine Alternative – zumindest für Urlauber, die mehr Zeit als Geld mitbringen
Verdreifachung der Windkraft, die Versorgung einer gesamten Region mit Strom aus der Photovoltaik, Wassererhitzung durch die Sonne in allen Neubauten!
Madeira hat sich viel vorgenommen.
Bisher war alles grau in grau: graue Kieselsteine, graue Betonquader im Meer, ein unverputzter Bau am Strand. Der neue Pächter der Strandbar, die nun ganzjährig geöffnet ist, durchbricht das Einerlei. Und einen Namen hat die Bar nun auch: Maré Alta - Hochflut
Den ganzen Tag waren sie unterwegs. Harald K. (45) und Ehefrau Isolde (43) aus Würzburg. Früh morgens raus den Federn und rein in den Zug nach Frankfurt. Der Flug nach Lissabon verlief reibungslos. Die zwei Stunden Wartezeit auf dem Flughafen der portugiesischen Hauptstadt gingen schnell vorbei. Dann bestiegen sie die Maschine nach Madeira. Pünktlicher Start, pünktliche Landung. „Madeira, wir sind da“, freute sich Harald etwas abgespannt und doch erwartungsfroh. Am Gepäckband aber wartete das Paar dann vergeblich. Der rote Koffer kam nicht.
Am besten war ein englischer Lord. Der Stammgast im renommierten Reids Hotel hatte den früheren Tourismus-Chef Madeiras zum Frühstück eingeladen. Die beiden kannten sich über viele Jahre hinweg, waren aber in ihrem Verhältnis immer förmlich geblieben. Nicht allein aus diesem Grund, sondern auch wegen der rigiden Kleiderordnung in der First-Class-Herberge erschien der Madeirenser zur verabredeten Stunde geschniegelt und gespornt im Hotelrestaurant. Kurz darauf trat seine Lordschaft ein - im Bademantel und mit Badeschlappen an den bloßen Füßen .
Viele Touristen sind froh, wenn sie nach vierstündigem Flug ihren Ferienort binnen kurzer Zeit erreichen. Früher gondelte man stundenlang über Bergkämme hinweg, jonglierte auf der Steilküste und an Talrändern entlang, um durchgeschaukelt jwd seinen Koffer auszupacken. Diese Zeiten sind vorbei!
Die Inselregierung hat einen Großteil der 35 Milliarden Euro, die seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Union nach Madeira flossen, dazu benutzt, Schluchten zu überspannen und Felsmassen zu durchlöchern. Auf Schnellstraßen rollt heute der Verkehr zügig rund um die Insel. Einer der längsten Tunnel Portugals (3,62 km) koppelt den Norden und den Süden unmittelbar aneinander. Entlegene Orte sind heute leicht anzusteuern. Madeira ist zusammengeschmolzen.
Als gigantische Fehlplanung erweist sich die Marina von Lugar de Baixo. Doch die seit 30 Jahren regierende Partei („Wir bauen die Zukunft“) will den Irrtum nicht eingestehen.
Ob Madeiras Liebespaare weniger Zuneigung füreinander hegen als zuvor, sagt die amtliche Statistik, die unlängst veröffentlicht wurde, nicht. Die Statistiker resümieren nüchtern, daß die Zahl der Eheschließungen gegenüber dem Vorjahr um rund sechs Prozent zurückgegangen ist. Die Sterberate hingegen steigt auch in Madeira: um fast vier Prozent. In Madeiras kleinstem Verwaltungsbezirk Ponta do Sol starben gar 30 Prozent mehr Menschen als 2004 (Hochzeiten 2005 insgesamt: 1381, Todesfälle: 2700). Die Bevölkerungszahl bleibt allerdings konstant. Unverdrossen bringen die madeirensischen Frauen Kinder zur Welt. Mit 2957 Geburten in 2005 ist das Schreckgespenst einer Entvölkerung von der Insel gejagt.
In der City der Inselhauptstadt hängen alle Bäume voller bunter Birnen. Ein überdimensionaler Weihnachtsbaum strahlt auf die Mole. Funchal ist geschmückt mit Tausenden von Lämpchen und glitzernden Lichterketten.
Immer wieder passiert es: Vergeblich warten Urlauber am Gepäckband des Flughafens von Madeira bis zum allerletzten Koffer. Wenn das leere Band schließlich angehalten wird, zieht eine dunkle Wolke auf: Beginnen unsere Ferien etwa ohne die Rucksäcke?
Zwei Eigenschaften zeichnen Machico von Alters her aus: das feurige Temperament seiner Bevölkerung und der kleine Strand, der während der Sommermonate zentimeterweise mit spärlich bekleideten Leibern abgedeckt wird. Nun hat die Stadtverwaltung den Ruhm der zweitgrößten Stadt Madeiras ausgeweitet. Nach langwieriger Umbauphase ist die bisher längste Meerespromenade der grünen Atlantikinsel entstanden.
Wer auf Madeira ohne Bargeld reist, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Geldautomaten – mit dem Begriff MULTIBANCO gekennzeichnet – gibt es an jeder Ecke. Doch sie spucken nur kleine Portionen aus.
Selten peitscht die Brandung so kräftig gegen die Südwestküste Madeiras wie am vergangenen Donnerstag (10. Februar 2005). Da überwanden fünf Meter hohe Wellen die Hafenmauern und rissen mit großer Macht Stege im Hafenbecken weg. Da die Marina kaum frequentiert ist, kamen weder Personen noch Boote zu Schaden.
Die Werkstattfenster gehen auf Madeiras Küste und das blaue Meer hinaus. Ein faszinierender Ausblick. Doch das Augenmerk des Schreiners gilt ausschliesslich dem jeweiligen Möbelstück, das er in Arbeit hat. Alte Schreibtische, Holzbetten, Stühle oder Kommoden werden in der Holzwerkstatt abgegeben und dort fachmännisch „aufpoliert“.
Der Impfstoff kommt aus der Pistole. Zweimal schießt die Tierärztin in die Löffelhaut. Heftiges Gestrampel und dann: Der Nächste bitte! „Nach den Kaninchen fahren wir zu einer Kuh, die nicht mehr aufstehen will.“ Ob vorbeugende Impfung, Untersuchung erkrankter Tiere oder Geburtshilfe: Anruf genügt und die junge Tierärztin komm zum Hausbesuch, der meistens ein Stallbesuch ist.
Mülltrennung ist auch auf Madeira seit einigen Jahren ein Thema. Vor den Häusern warten die verschiedenen Müllbehälter auf den korrekten Inhalt. Doch allzu oft findet der erstaunte Nutzer Altpapier im Plastikmüll, Glasflaschen im Restmüll und kompostierbare Abfälle im Altglascontainer.
Ein Wanderführer muß vielseitig sein: sportlich und ausdauernd; beredt und wachsam; gesellig beim Umtrunk und zurückhaltend beim Gemeinschaftsmahl, auch wenn ein Bärenhunger ihn geißelt; Experte der Flora und Fauna; Sunnyboy unter bewölkem Himmel; Sanitäter im Extrem-Fall und zu guter Letzt dankbar dafür, daß die Gruppe ihn hat mitlaufen lassen. Als Wanderführer erfüllt Oliver Handler (30) all diese Erwartungen mit Bravour. Seit 2002 stürmt er unermüdlich die Gipfel Madeiras, stapfen seine Wanderstiefel entlang aller Levadas. Sechs Mal die Woche geht’s über Stock und Stein. Daß der gebürtige Österreicher um die Jahreswende für einige Monate den Wanderstab in die Ecke stellte, ist nicht so sehr der Anstrengung geschuldet, die seine Profession mit sich bringt. Es war ein neues Wandergebiet, das Oliver Handler am Horizont entdeckte. Die Azoren lockten. Kurzentschlossen fuhr er hin und erkundete die Inselgruppe zwischen Europa und Amerika.
Im Schadensfall tauschen Handwerker auf Madeira nicht sofort neu gegen alt. Wo möglich, reparieren sie noch. Wenn Not am Mann sogar nach Feierabend ohne Aufpreis.
Porto Santo ist eine Trauminsel. Der Strand ist lang, weich und golden. Im Landesinneren Einsamkeit und freie Blicke. Aber zugegeben: auf Porto Santo ist nichts los. Wer die Natur nicht liebt und das Strandleben leid ist, findet dort nicht viel Unterhaltung. Etwas mehr Touristenattraktion wäre vielleicht nicht schlecht - wie wäre es zum Beispiel mit einer Seilbahn?
Seit Anfang Dezember laufen die Vorbereitungen. 150 professionelle Feuerwerker befinden sich im Einsatz, um die 41 Abschußrampen für die Feuerwerkskörper zu installieren. Die Zahl der besonders schwer zu fixierenden, weil auf dem Meer schwimmenden, Abschußrampen erhöht sich in diesem Jahr auf acht.
Da sitzen sie in einem Werkraum und pinseln, sägen, schneiden und kleben. Ein Dutzend alter Menschen mit einem jungen Animateur, der Einiges zu bieten hat: Handwerkliches Geschick und praktikable Ideen, altentherapeutische Erfahrung, Humor und Zärtlichkeit für Menschen, die ein Leben lang geschuftet haben. Und die ihre Hände noch nicht in den Schoss legen wollen - solange sie können. Sie basteln, brennen Ton und weben Flickenteppiche. Zweimal pro Woche gar verstärkt durch die Kleinen vom Kindergarten im Hause. Es ist die Creme des Altenheims, die noch zu werkeln vermag, kaum mehr als fünfzehn Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner. Der andere, weitaus größere Teil benötigt intensive Pflege. Und die gibt es hier auf neuestem Stand der Pflegewissenschaften. Der Besucher aus Deutschland reibt sich verwundert die Augen und fegt die letzten Vorurteile verschämt aus seinen Gedanken.
Auch in Ribeira Brava – das ist der Ort im Südwesten, an dem die Autobahn endet – ist die langwierige Phase der Bauarbeiten zum Abschluß gekommen. Das Ergebnis überrascht. Bummeln, unter Bäumen im Straßencafé sitzen, ins Meer einsteigen – das ist nun möglich und stadtgestalterisch ansehnlich gelöst worden.
Kaum ist der Strand freigegeben, sausen Sonnenanbetern Fußbälle um die Ohren. Ein Stück weiter leeren Halbwüchsige ein Sixpack Bier. Neben einem Liebespaar streift ein Kleinkind seine Windel ab. Der erste künstliche Sandstrand Madeiras ist zum Ausklang der Badesaison ein Rummelplatz. Für die Müllwerker fällt massig Arbeit an.
Lange Zeit war Madeira eine Grossbaustelle. Mittlerweile sind die Arbeiten auch in dem schmucken Dorf Jardim do Mar abgeschlossen – doch das Ergebnis ist nicht überzeugend.
Lange Zeit war Madeira eine Grossbaustelle. Mittlerweile sind zahlreiche Arbeiten abgeschlossen oder gehen aufs Ende zu. In Paúl do Mar kann sich das Ergebnis einer langwierigen Bauphase sehen lassen.
Der echte Bauernmarkt findet unten statt. Nur zu ebener Erde und ausschliesslich Freitag- und Samstagmorgen bieten die lokalen Produzenten ihr selbst erzeugtes Obst und Gemüse feil.
Funchal hat bezaubernde Ecken. Doch viele Besucher zeigen sich abgestossen von Lärm und Gestank des Autoverkehrs in der Inselhauptstadt. Diesem Umstand zollte die Stadtverwaltung Rechnung. Zusätzlich zu den schon bestehenden kleinen Fussgängerpassagen im Kern der City sind zwei verkehrsreiche Strassen fussgängerfreundlich umgestaltet worden.
Dona Rita wollte ihrem Neffen in Frankreich 40 Euro überweisen. In der Zeitung hatte die Madeirenserin gelesen, dass Überweisungen innerhalb der EU seit einiger Zeit das Selbe kosten wie innerhalb Portugals. Sicherheitshalber fragte die Madeirenserin bei ihrer Hausbank, einem alteingesessenen Madeirensischen Finanzinstitut, erst einmal nach.